
Gottfried Wilhelm Leibniz
"Es ist unwürdig für hervorragende Männer, wie Sklaven Stunden mit Berechnungen zu verlieren."
Ein Leben für die Wissenschaft
Gottfried Wilhelm Leibniz, geboren am 1. Juli 1646 in Leipzig, gilt als der letzte Universalgelehrte. Sein Intellekt kannte keine Grenzen: Er korrespondierte mit über 1.000 Gelehrten in ganz Europa und hinterließ Schriften zu Jura, Theologie, Geschichte, Mathematik und Physik.
Anders als der zurückgezogene Newton war Leibniz ein Mann der Welt. Er diente den Welfen-Herzögen in Hannover als Hofrat und Diplomat, reiste nach Paris und London und setzte sich unermüdlich für die Gründung von Wissenschaftsakademien in Berlin, Wien und St. Petersburg ein.
Die Erfindung der Analysis
Leibniz' wohl größter mathematischer Triumph war die Entwicklung der Infinitesimalrechnung in den 1670er Jahren. Während Newton seine Methode der "Fluxionen" vor allem physikalisch motivierte, näherte sich Leibniz dem Problem geometrisch und abstrakt.
Es ist Leibniz' genialer Notation zu verdanken, dass wir heute Integrale mit dem geschwungenen ∫ (für "Summe") und Differentiale mit d (für "Differenz") schreiben.

Vordenker der Informatik

Das Binärsystem
Leibniz erkannte als Erster die Bedeutung des dualen Zahlensystems (0 und 1). Was er in seiner "Explication de l'Arithmétique Binaire" (1703) beschrieb, ist heute die Sprache aller Computer.
Leibniz war seiner Zeit weit voraus. Er träumte von einer universellen Sprache ("Characteristica universalis"), in der sich alle menschlichen Gedanken logisch berechnen ließen. Er konstruierte die erste mechanische Rechenmaschine, die alle vier Grundrechenarten beherrschte (Staffelwalze).
Seine Vision: "Wenn es eine Streitfrage gibt, so braucht es zwischen zwei Philosophen keinen größeren Aufwand an Diskussion als zwischen zwei Rechnern. Es reicht, wenn sie ihre Federn zur Hand nehmen... und zueinander sagen: Lasst uns rechnen! (Calculemus!)"
Philosophie: Die beste aller Welten
Auch philosophisch hinterließ er ein gewaltiges Werk (Monadologie). Unvergessen ist seine Theodizee, in der er argumentierte, dass Gott in seiner Weisheit die "beste aller möglichen Welten" geschaffen habe. Eine Welt, in der das Übel notwendig ist, um das Gute erst erfahrbar und moralisches Handeln möglich zu machen.
